Archiv der Kategorie ‘vor 20 Jahren‘

1989 – Herbst des Aufbruchs und der Demokratie

11. Oktober 2009, 15:31 Uhr - von Promis

stefan_zillich Ich war 1989 18 Jahre alt und lebte in Ostberlin. Spätestens nachdem im Sommer zehntausende Menschen aus der DDR geflohen waren, war deutlich, dass es so nicht weiter gehen konnte. Im Herbts begann die DDR sich mit den großen Demonstrationen in Berlin und v.a. in Leipzig, sehr grundlegend zu verändern. Spätestens nach dem Rücktritt Honneckers am 18. Oktober war klar, dass diese Veränderungen nicht mehr aufhaltbar waren. Überall fanden sich Menschen zusammen um zu diskutieren, wie es weiter gehen sollte. Offene Debatte, demokratischer Streit, selbstbewusstes Eintreten für die eigenen Überzeugungen, sich mit anderen Menschen zusammentun, die das gleiche wollten – all das wurde überall gelernt, geübt und praktiziert, gerade auch von Jugendlichen. Und viele, so auch ich machten die Erfahrung, dass man tasächlich etwas bewirken, etwas mitentscheiden konnte. Das Engagement lohnte sich. Der Mauerfall selbst, ging bei mir persönlich eher unter, weil ich mit anderen zusammen viel zu sehr damit beschäftigt war, mich in die rasend schnell ablaufenden Veränderungen einzumischen. Die große Demonstation am 4. November, an der mehr als eine Million Menschen teilnahmen (bei ca. 16 Millionen Einwohnern in der DDR), hat auf mich einen riesigen Eindruck gemacht. Auch an unserer Schule stand die Frage, wie Interessenvertretungen für Schülerinnen aufgebaut werden. Wir haben darüber diskutiert, wie wir uns gerade als Jugendliche auf sich abzeichnende demokratische Wahlen zu einem Parlament vorbereiten sollten. Aus der Erfahrung einer Diktatur alter Männer in der DDR diskutierten wir darüber, wie wir unsere Belangen als Jugendliche selbst in die Hand nehmen können und wollten dies nicht unbedingt den Parteien, ob alten oder neuen, überlassen. Wir gründeten unsere eigenen Jugendorganisationen, um zusammen mehr bewirken zu können.

Steffen Zillich, MdA Die Linke

Gänsehaut am Bahnhof Friedrichstraße

11. Oktober 2009, 14:29 Uhr - von Promis

oliver_scholz Wir mussten bis kurz vor Mitternacht arbeiten. Meine Frau und ich hatten aber im Laufe des Abends schon die unfassbar gute Nachricht empfangen. Die Mauer war offen. Ost Berlin war inzwischen wie leer gefegt. Also bekam man auch ein Taxi. Der Taxifahrer bringt uns zum Bahnhof Friedrichsstraße. Die geteilte  Station mit der riesigen, bislang schier unüberwindbaren Stahlplatte zwischen den Bahnsteigen. Wir gehen hinein in den Tränenpalast. Ein Grenzer wirft einen Blick in die Personalausweise. Der Weg führt durch einen schmucklosen Tunnel. Neonlicht flackert. Gänsehaut.  Ein Ambiente, wie der Weg in die Stasihölle. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Aufgang zum Bahnsteig. Den Bahnsteig,  den bis heute nur Tante Trude aus Reinickendorf und Onkel Helmut aus Spandau betreten durften. Wir können es kaum fassen. Westerenhagens “Freiheit” klingt uns in den Ohren. Die S-Bahn fährt los. Tausendmal erlebt. Aber diesmal in die andere Richtung. Kurz vor Einfahrt Lehrter Bahnhof. Emotionen. Freudentränen werden nicht mehr unterdrückt. Der schönste Tag im Leben. Ein noch schönerer Tag sollte erst 6 Jahre später folgen.

Oliver Scholz MdA

Marshmallow-Figur beim Grundübertritt

11. Oktober 2009, 13:08 Uhr - von Promis

haussdoerfer Als die Mauer fiel, war ich frische 9 Jahre alt und bin im Osten der Stadt direkt in Grenznähe zu Rudow aufgewachsen. An dem Tag, am 9. November stand eigentlich eine Mathe-Arbeit an und ich, die ich auf die Grundschule in Schönefeld ging, hatte vorher noch 2 Stunden Sport. Sport fand ich nicht so toll, weil ich immer schlecht im Boden-Turnen war, aber wir spielten in der Halle 2 Felder-Ball. Ausnahmsweise hielt ich mich ganz gut im Spiel und war die Letzte, die noch nicht vom Ball getroffen, im Spiel war. Leider war ich dem geballten Angriff dann doch nicht gewachsen und stürzte beim Ausweichen der Bälle über einen Ball und fiel – das knacksende Geräusch ist mir bis heute in den Ohren mit dem mein Schlüsselbein brach. Der Rest war ganz schön schmerzhaft, da wir im Sportunterricht als Mädchen Turn-Body tragen mußten und der Arm einfach nicht mehr einzuklappen ging, mußte das Teil aufgeschnitten werden.

Meine Eltern waren auf dem zivilen Flughafen Schönefeld angestellt: meine Mutti als Krankenschwester bei der Interflug-Fluggesellschaft und mein Papa als Radar-Ingenieur. Da meine gesamte Verwandtschaft im Westteil Deutschlands wohnte, durften meine Eltern nicht auf dem Militärflughafen Cottbus arbeiten, wo ich selbst geboren bin. Im Nachgang war das das Beste, was uns passieren konnte, weil ich so nicht nach Schönefeld und nach Berlin gekommen wäre, und meine Eltern dauerhaft bis zur Rente Arbeit hatten.

So wurden meine Eltern angerufen, mich abzuholen und zum Betriebshof Schöneweide zu fahren, wo die Ärzte eben einen Schlüsselbeinbruch feststellten und mir einen sog. “Rucksackverband” anlegten, der schmerzhaft meine Schultern richtete und mich wie ein “Marshmallow-Männchen” unförmig und tapsig machte. Es war schon schwierig in unseren kreischgrünen Trabi “Henriette” ein- und auszusteigen, aber es ging irgendwie. Abends sind wir dann schnell und überstürzt über den Grenzübergang Waltersdorfer Chaussee (Rudow)  zu Fuß gelaufen: Himmel und Menschen waren unterwegs und es tat ganz schön weh in dem Gedränge mit einem frischen Bruch. Die Menschen waren aber supi nett und solidarisch, haben mich hoch gehoben oder mich sitzen lassen.

Auf dem Bahnsteig der U-Bahn in Rudow bekam ich 5 Mark geschenkt und habe nicht wirklich verstanden, warum die Menschen weinten oder uns umarmten, wildfremde Menschen für sie. Gummibärchen bekam ich zugesteckt und eine Kiwi – ich habe mich nicht getraut sie zu essen, sah ja aus wie eine haarige Kartoffel und solch exotisches Obst kannten wir ja nicht.

Wir haben uns dann irgendwie zu entfernten Verwandten durchgeschlagen, bei denen wir abends aßen. An den Rest der Nacht oder wie wir nach Hause kamen, kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Aber an meinen “Marshmallow-Anzug” und die weinenden Menschen sehr wohl.

Mein Leben war dann schon anders im Verlauf: im Jahr darauf besuchte ich meine Verwandten in Heidelberg und zum ersten Mal McDonald’s, ich wäre nicht als Kindermädchen nach Amerika gegangen oder hätte in Schweden studiert.

Jetzt bin ich als jüngste Abgeordnete meiner SPD-Fraktion für Stadtentwicklung zuständig, und sehe immer noch die Brüche in der Stadt, trotz Sanierung und Neubau. Ich werde immer an die Teilung erinnert im Berliner Abgeordnetenhaus, da die Teilungslinie im Boden eingelassen ist. Ich habe aber auch erfahren, dass Verwandte meine Familie bespitzelten oder wie “Wessis” Unerfahrenheit ausnutzten. Ich weiß heute, warum ich als Schwimmerin im Leistungssport nicht an den Trainingslagern im “nicht-sozialistischen” Ausland teilnehmen durfte – im soviel Westverwandtschaft hätte ich ja fliehen können. Vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen, wenn ich diese Hindernisse nicht gehabt hätte – das war schon schade, obwohl viele Menschen sehr viel schlimmer dran gewesen sind als meine Familie und wir keine direkten Repressionen fühlten.

Heute bin ich sehr froh, dass ich die Freiheit habe, meine Meinung auszusprechen, zu schreiben oder einfach Dinge zu tun, die früher in der DDR nicht möglich gewesen wären. Ich kann heute überall auf der Welt studieren, arbeiten und Menschen besuchen. Ich kann essen, wann und was ich will, lesen und hören was ich will und nicht dann, wenn mal etwas da ist oder jemand etwas zensiert hat.

Ich kann ich sein: zu jeder Zeit und an jedem Ort!

Ellen Haußdörfer, MdA

Friedrichshain und Johanna

11. Oktober 2009, 12:39 Uhr - von Promis

Canan Bayram Weit weg von Berlin war ich vor 20 Jahren und ahnte nicht einmal, dass ich im Abgeordnetenhaus von Berlin als Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für Migrationspolitik zuständig sein würde. In einem mittelständischen Betrieb arbeitete ich ich als kaufmännische Angestellte und war für Dinge wie Buchführung oder Personal  zuständig. Es kam ein Ehepaar, dass aus der DDR geflüchtet war und sich am Niederrhein eine neue Existenz aufbauen wollte. Lediglich die Bilder in den Medien ließen erahnen, was in Berlin los war. Mich hat vor allem bewegt, wie glücklich die Menschen waren. Damals wusste ich auch noch nicht, dass ich später einmal in Friedrichshain wohnen und als Abgeordnete ins Berliner Parlament gewählt werden würde. Ich wusste nur, dass ich mehr über den Osten und Berlin wissen will. Der Aufbruch und die Kraft des Wechsels haben mich beeindruckt. Ohne den Mauerfall würde es meine Tochter Johanna gar nicht geben. Denn ihr Vater und ich wären uns getrennt durch die Mauer nie begegnet. Daher bin ich allen Menschen dankbar, die an dem Fall der Mauer beteiligt waren. Ich lebe mit meiner Tochter gerne Friedrichshain.

Canan Bayram, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin
Sprecherin für Migrations- und Integrationspolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Geteilte Kindererinnerung

11. Oktober 2009, 12:04 Uhr - von Promis

Clara Herrmann Als die Mauer am 9.11.1989 fiel war ich vier Jahre alt. An den Tag selbst habe ich keine konkrete Erinnerung mehr. Auch die  “subjektiven Gefühle und Ängste” der damaligen Zeit habe ich nicht unmittelbar erfahren. Eine Tour durch die Berliner Unterwelten verdeutlicht aber eindrucksvoll einige dieser Teilaspekte der Teilung.

Aufgewachsen in West-Berlin, eine Familie in Westdeutschland und regelmäßige Urlaube nach Dänemark prägen meine Erinnerung der vor 90er Jahre. Konkret: mit dem Auto am Innerdeutschengrenzübergang Dreilinden zu stehen, die für mich damals unerklärlichen Spiegel unter dem Auto und die drückende Stille meiner Eltern zu spüren – dann die ewig lange und holprige Autofahrt zu meinen Großeltern ins Fichtelgebirge oder mit dem Nachtzug unerklärbar lang irgendwo zwischen Leipzig und der Grenze ( Richtung Bayern) zu stehen. Damals sind wir häufig mit der Fähre nach Dänemark gefahren. An eine Fahrt erinnere ich mich bis heute. Nach den üblichen Ängsten wir könnten die Fähre verpassen (da es mal wieder länger an den Grenzübergängen dauerte), erreichten wir das Schiff und gingen auf Deck. Der Seewind wehte uns um die Nase und die Spannung fiel spürbar von meinen Eltern ab. Wir standen noch im Hafen und plötzlich sagte mein Vater “Puh – jetzt sind wir in Dänemark”. Das war für mich so unverständlich, mitten in Warnemünde und wir waren in einem anderen Land. Ich glaube damals ist mir wirklich bewusst geworden, dass es da Menschen gibt, die diesen Schritt auf die Fähre nicht machen können.

Heute Zwanzig Jahre später lebe ich wie  selbstverständlich in Berlin-Friedrichshain (ehemals Ost), fahre täglich mit dem Rad durch Kreuzberg ins Büro und verbringe meine Wochenende gerne in der Uckermark. Wenn ich nicht wie gestern am Alexanderplatz gegen den Neonaziaufmarsch auf die Straße gehe und heute die You auf dem Messegelände besuche und dabei jedesmal die ehemalige Mauer zwischen Ost und West überwinde. Schön, dass diese Wege heute selbstverständlich und völlig normal in Ost und West sind.  Nur manchmal sollte mensch sich daran erinnern. Mauern sind dazu da sie EINZUREISSEN und davon können wir BerlinerInnen erzählen!

Clara Herrmann, MdA und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Giyasettin Sayan über den Mauerfall

10. Oktober 2009, 12:55 Uhr - von Promis

Ich habe mich sehr gefreut einerseits, anderseits habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht über deutschnationalistische Töne, die mir zu Ohren kamen. Einerseits riesige Freude, anderseits Ängste über Rasissmus, Nationalismus usw.

Giyasettin Sayan, MdA, Linksfraktion

Meine ersten Gefühle

10. Oktober 2009, 12:42 Uhr - von Promis

thamm Überraschung und Dankbarkeit – das waren meine ersten Gefühle und Eindrücke als ich die Bilder vom Fall der Mauer und die vielen Menschen, die sich in den Armen lagen, sah. An dem Gefühl der Dankbarkeit hat sich bis heute nichts geändert: Noch immer, wenn ich an die ehemaligen Grenzstationen komme, denke ich an die Zeit der Kontrollen und Schikanen und freue mich, daß ich seit nunmehr 20 Jahren ohne diese Schwierigkeiten in die Mark Brandenburg fahren kann, die ich wegen ihrer Landschaftsschönheit sehr liebe.

Monika Thamm

Die Bedeutung des Mauerfalls verpeilt

9. Oktober 2009, 17:15 Uhr - von Promis

stroever Am Abend des 9. November 1989 war ich in der damaligen Parteizentrale der Alternativen Liste, der Vorgängerpartei der Grünen in Berlin in der Badenschen Strasse in Wilmersdorf. Wir hatten eine Sitzung des ehrenamtlichen medienpolitischen Arbeitskreises, den ich geleitet habe.

Wir hatten bereits eine Weile getagt, als ziemlich verspätet ein Mitglied in den Raum kam und ganz aufgeregt berichtete, dass  die Grenze zwischen West- und Ostberlin der Bernauer Strasse geöffnet seworden sei. Einige Kollegen wollten sofort dorthin fahren, aber ich habe darauf bestanden unsere Sitzung ordnungsgemäß zuende zu bringen! Dafür muss ich mich heute ein wenig schämen, denn die Bedeutung dieses Abends habe ich ganz und gar verpeilt!

Im Anschluss an die Sitzung bin ich dann auch nicht mit gefahren, sondern nach Hause.  Da habe ich dann allerdings fast die ganze Nacht vor dem Fernseher mit den Berichten der Reporter der Berliner Abendschau verbracht. Da ich damals in einer Nebenstrasse des Kudamms wohnte, war ich völlig baff, als ich am nächsten Morgen auf dem Weg zur Kita, um meine Tochter wegzubringen,  Menschenmassen  auf dem Kdamm sitzen, laufen und auch torkeln sah. Es war offenbar eine feucht-fröhliche Nacht geworden, die Kneipen hatten Freibier ausgeschenkt Es herrschte eine super Stimmung, die sich über mehrere Tage hinzog.

Am Abend des 10.  November 1989 bin ich dann mit Mann und Kind am Checkpoint Charlie gewesen, um die nicht enden wollende Trabischlange zu begrüßen. Das war eine großartige und sehr emotionale Atmosphäre, weil sich West- und Ostmenschen wirklich über den Fall der Mauer gefreut haben.

Heute bin ich selbst Politkerin, aber damals war  ich ziemlich empört, welche staatstragende Veranstaltung  an den Abenden danach vor dem Rathaus Schöneberg von den regierenden Politkern mit Absingen der Nationalhymne etc. veranstaltet wurde. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich die Menschen aus der DDR sich das so vorgestellt hatten.

Alice Ströver

Mitglied des Berliner Abgeordnetenhaus

Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für Kultur- und Medienpolitik

Wegen Überfüllung geschlossen…?

9. Oktober 2009, 17:07 Uhr - von Promis

goiny Ich erfuhr vom  Fall der Mauer  spät abends  aus  dem Fernsehen und verfolgte die Berichte so gespannt, dass ich mich gar nicht “loseisen” konnte. Als ich am 4. November 1989 die Bilder von der Demonstration am Alexanderplatz sah, wo 1 Million Menschen friedlich für mehr  Freiheit Demonstrierten,  hatte ich erstmals den Gedanken, dass die Mauer nicht mehr  lange stehen würde.  Aber das  es so schnell gehen  würde,  war dann doch eine Sensation.   Am nächsten Morgen machte ich mich dann früh auf den Weg  um  mir die Situation vor Ort anzusehen. Bereits am Rathaus Steglitz und in der Schloßstraße war der Fall der Mauer  live  erlebbar: Menschenmassen strömten aus den Bahnhöfen und vor dem Rathaus Steglitz war eine lange Menschenschlange, die nach dem Begrüßungsgeld anstanden  Ich war den ganzen Tag in der Stadt unterwegs  und am Abend bei der Kundgebung mit Helmut Kohl an der Gedächtniskirche, wo sich  zehntausende von Menschen einfanden.  Die Stimmung war atemberaubend und man  konnte mit wildfremden Menschen  unglaublich  emotionale  Gespräche führen.  Die  U9  war so voll, dass ich mir wie in  einer Sardinienbüchse vorkam.  Man hatte den Eindruck, die Stadt müsste wegen Überfüllung geschlossen werden! Die zahllosen Veranstaltungen in Brandenburg und im Ostteil  Berlins in  den folgenden Monaten im Rahmen des  Wahlkampfes  zur ersten frei gewählten Volkskammer gehören zu meinen spannendsten politischen  Erlebnissen. Unvergessen bleibt mir eine Kundgebung mit Norbert Blüm vor 7000 Menschen in Frankfurt/Oder, wo es uns am Ende nur mit Mühe gelang, den damaligen Bundesarbeitsminister wieder zu seinem Fahrzeug zu dirigieren und Norbert Blüm  schließlich wiederholt auf seinen Mercedes kletterte und mit der Menge “Deutschland – einig Vaterland” rief, während seine Sicherheitsbeamten vergeblich versuchten ihn dort herunterzuziehen…

Christian Goiny, MdA

medienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion

Am 9. November ….

9. Oktober 2009, 15:45 Uhr - von Promis

jantzen Am 9. November abends waren meine Jungs – damals 4 und 2 Jahre – wie üblich nicht so früh zum Schlafen zu bringen, wie ich es gewünscht hätte.  Als sie endlich schliefen, bin auch ich erschöpft ins Bett gefallen. Wurde dann aber durch das Telefonklingeln geweckt. Eine Freundin war am Apparat und freute sich: ” Die Mauer ist offen. Jetzt kann endlich meine Mutter auch zu mir kommen. Willst du nicht mit zum Brandenburger Tor?”

Ich verstand erst gar nicht, was sie meinte und fragte: “Was ist los?”

“Na, die Grenze ist offen. Guckst du denn kein fernsehen?” Ich schaltete dann sofort den Fernseher ein und verfolgte fasziniert die Bilder. Und bedauerte, nicht sofort losgehen und mitfeiern zu können, aber ich konnte ja meine Kinder nicht allein zuhause lassen.

Elfi Jantzen, MdA
familienpolitische Sprecherin
Bündnis 90/Die Grünen

Was war heute vor 20 Jahren ?

9. Oktober 2009, 15:16 Uhr - von Promis

Heute vor 20 Jahren, am 9. Oktober 1989, fand in Leipzig die bis dahin größte Demonstration von Bürgerrechtlern in Leipzig statt, die für die Achtung der Menschenwürde und gegen allgegenwärtige staatliche Bespitzelung auftraten. Am Tag zuvor waren in Berlin hunderte Demonstranten, die das gleiche Anliegen hatten, von der Volkspolizei festgenommen und misshandelt worden. Vier Wochen später fiel die Mauer in Berlin.

Ich bin im Westen Deutschlands geboren und aufgewachsen, finde aber, dass alle Deutschen den Menschen, die die friedliche Revolution in der DDR getragen haben, Dank dafür schulden, dass sie ihre Freiheit und teilweise ihr Leben riskiert haben, um ein System der nahezu totalen Überwachung zu Fall zu bringen. Um nicht missverstanden zu werden: ich will keine Parallele zur heutigen Situation ziehen. Aber das Vermächtnis der Demonstranten vom 9. Oktober 1989 ist Verpflichtung für uns alle.

Alexander Dix

Berliner Beauftragter

für Datenschutz und Informationsfreiheit

Der 9. November, ein schöner Tag für ganz Europa

9. Oktober 2009, 13:46 Uhr - von Promis

Erst im Jahr zuvor, 1988, war ich mit meiner Familie aus Rumänien nach Deuschland gekommen. Unvorstellbar, dass nur ein Jahr später der Eiserne Vorhang fallen würde. Am 9. November 1989 wechselten sich bei mir Freude und Sorge ab. Ich freute mich für meine neue Heimat Deutschland und bangte um Verwandte in Rumänien. Dort war die Revolution in vollem Gange, leider verlief sie nicht so freidlich wie in der ehemalgen DDR. Viele Menschen, viele junge Menschen, die in meiner Heimatstadt Temesvar auf die Straße gingen, wurden verhaftet oder gar umgebracht. Doch mit dem Fall der Berliner Mauer fielen die Regimes in ganz Osteuropa wie Kartenhäuser in sich zusammen. Und Europa konnte endlich wieder zusammenwachsen.

Für unsere Generation ist ein Europa ohne Grenzen selbstverständlich. In Florenz studieren, Freunde ein Barcelona besuchen, eben mal zum Filmfestival nach Prag. Vor 21 Jahren war dies für mich noch unvorstellbar. Ich freue mich, dass heute auch Rumänien Teil der Europäischen Union und im Herzen Europas ist und nicht mehr hinter dem Eisernen Vorhang.

Ramona Pop, stellvertretende Fraktionvorsitzende

Fraktion B90/ Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin

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Endlich ist sie weg, die verfluchte Mauer!

9. Oktober 2009, 13:30 Uhr - von Promis

In manchen Köpfen steht sie noch. Sie dort einzureißen, ist die Aufgabe der Politik. Manche verharmlosen die Mauer, viele haben sie gar nicht mehr erlebt…

…ich habe am 9. November 1989 von westberliner Seite aus, live, erlebt, wie sie fiel. Ich war am Grenzübergang Invalidenstraße, wo sich auf westberliner Seite ein paar hndert Menschen versammelt hatten und in Richtung Ostberlin schrien “Wir wollen rein!”. Plötzlich wichen die Grenzer zurück und ließen die Trabbis und die Fußgänger aus Ostberlin in den Westen durchlaufen. Manche Trabbi-Fahrer fuhren im Schlafanzug. Sie hatten, als sie vom Fall der Mauer hörten, keine Zeit verlieren wollen und waren aus dem Bett in die Trabbis gesprungen. “Wie kommen wir zum Kudamm?”, fragten die meisten. Ich ging dann mit anderen Westberlinern, unter ihnen der Schriftsteller Hans-Joachim Schädlich, zum Brandenburger Tor über die Friedrich- und Lindenstraße und trafen dort auf eine Postkette von Soldaten, die das Brandenburger Tor bewachten. Nach kurzer Diskussion mit ihnen teilte sich die Postenkette und wir standen unter dem Brandenburger Tor. Wir heulten und jubelten. Alles andere ist bekannt.

Dr. Uwe Lehmann-Brauns

Das war eine Nacht

9. Oktober 2009, 12:44 Uhr - von Promis

Ich schlief als meine Mutter in mein Zimmer kam, es wären viele Menschen auf der Straße und Autos. Ich dachte sie fantasiert, aber es war wahr. Als ich 14 war wohnten wir 50 Meter von dem Grenzübergang in der Waltersdorfer Chaussee entfernt. Also machten wir uns auf, was uns erwartete war eine andere Welt! Unbekannte umarmten sich, Trabbis wurden geschüttelt, Sekt getrunken. Von dieser nacht an war das Leben nicht mehr so wie zuvor. Alles veränderte sich, in der Schule wurde über nichts anderes mehr gesprochen. Ich wurde politisiert. Meine Eltern stellen einen Tisch an die Straße und schenkten Kaffee und Tee aus, es war November. Viele Menschen waren einfach Zuhause losgelaufen, sie wollten nur eins: in die Freiheit. Für mich wurde klar, dass ich nicht nur dabei sein will, ich wollte mitmachen. Ich begann mich politisch zu orientieren und ging zur Partei der Wiedervereiniung, der CDU unter Helmut Kohl.

Sascha Steuer, MdA

So was tolles und ich war so weit weg!

9. Oktober 2009, 11:59 Uhr - von Promis

jasenka_villbrandt Am 9. 11. 1989 war ich in Australien, in einer wunderbar einsamen und schönen Gegend. Ein Reisender, der gerade aus einer Stadt dorthin gekommen ist, sprach mich an und meinte- “spannende Geschichten läufen bei euch ab. Ist es nicht schön dass die Mauer weg ist? ” So erfuhr ich was hier in Berlin geschah. Ich glaubte es  erst einmal nicht , dann war ich glücklich und zugleich traurig dass ich nicht dabei war. Wenn ich nicht so weit weg gewesen wäre, wäre ich schnellstens nach Berlin zurück gekommen. Aber ich blieb und Menschen in Australien haben, glaube ich, nocht nie so viel über Europa oder Deutschland gesprochen.

Jasenka Villbrandt MdA

Fraktion Bündnis 90/ Die Grüne

Historische Stunden. Der 9. November 1989

9. Oktober 2009, 11:38 Uhr - von Promis

Am 9. November nach der Öffnung der Grenze an der Bornholmerstraße bin ich zum Grenzübergang Invalidenstraße gefahren, der auch schon geöffnet war und in dem rund 10 000 Menschen standen und überglücklich waren über die Öffnung der Grenze. Ich wollte von den Grenzern wissen was dort los war. Aber die wußten es auch nicht unsd verschwanden auf einmal alle. Weil ich eine Schießerei und ein Blutbad befürchtete, wollte ich die Menschen aus dem Kontrollpunkt herausbringen. Aber das war nicht möglich. Es war eine wahnsinnige Volksfeststimmung, wie Oktoberfest. Schließlich habe ich die Leute aufgefordert die Wege für die Autos freizumachen. Das klappte auch ganz diszipliniert. Dann habe ich bei den Allierten und dem Polizeipräsidenten angerufen und Meldung gemacht. Es blieb alles friedlich. Um 2.00 Uhr habe ich die Rede für die Bundesratssitzung umgeschrieben. Dann bin ich zu Bett gegangen.

Walter Momper

Emine Demirbüken-Wegner zum Mauerfall

9. Oktober 2009, 11:17 Uhr - von Promis

emine_demirbueken-wegner Der Mauerfall war für mich ein unvergesslicher Tag, denn ich war ein Mauerkind, ich habe direkt an der Mauer gewohnt. Für mich war es unbegreiflich, wie eine Stadt in zwei geteilt werden konnte, wo die Menschen zusammen gehören.

Es gab dieseTürme, auf die man hochlaufen konnte. Ich hatte “drüben” Nachbarn, denen wir zugewunken haben. Es tat mir immer weh, wenn Freunde mir erzählten, dass Onkel oder Tante eben “drüben” lebten und sie sich nicht so häufig sehen konnten wie gewünscht. Ich gehe heute noch von Zeit zu Zeit an den ersten Standort meines Berlinaufenthalts, wo heute die Mauer nicht mehr steht.

Der Tag des Mauerfalls war für mich sehr bewegend, unendliche Freude, Glückstränen, die ich mit meinen Freunden zusammen geteilt habe. Auseinandergerissene Familien wurden wieder zu einer Familieneinheit.

Emine Demirbüken-Wegner (CDU)