Gänsehaut am Bahnhof Friedrichstraße

oliver_scholz Wir mussten bis kurz vor Mitternacht arbeiten. Meine Frau und ich hatten aber im Laufe des Abends schon die unfassbar gute Nachricht empfangen. Die Mauer war offen. Ost Berlin war inzwischen wie leer gefegt. Also bekam man auch ein Taxi. Der Taxifahrer bringt uns zum Bahnhof Friedrichsstraße. Die geteilte  Station mit der riesigen, bislang schier unüberwindbaren Stahlplatte zwischen den Bahnsteigen. Wir gehen hinein in den Tränenpalast. Ein Grenzer wirft einen Blick in die Personalausweise. Der Weg führt durch einen schmucklosen Tunnel. Neonlicht flackert. Gänsehaut.  Ein Ambiente, wie der Weg in die Stasihölle. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Aufgang zum Bahnsteig. Den Bahnsteig,  den bis heute nur Tante Trude aus Reinickendorf und Onkel Helmut aus Spandau betreten durften. Wir können es kaum fassen. Westerenhagens “Freiheit” klingt uns in den Ohren. Die S-Bahn fährt los. Tausendmal erlebt. Aber diesmal in die andere Richtung. Kurz vor Einfahrt Lehrter Bahnhof. Emotionen. Freudentränen werden nicht mehr unterdrückt. Der schönste Tag im Leben. Ein noch schönerer Tag sollte erst 6 Jahre später folgen.

Oliver Scholz MdA

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