Wegen Überfüllung geschlossen…?

goiny Ich erfuhr vom  Fall der Mauer  spät abends  aus  dem Fernsehen und verfolgte die Berichte so gespannt, dass ich mich gar nicht “loseisen” konnte. Als ich am 4. November 1989 die Bilder von der Demonstration am Alexanderplatz sah, wo 1 Million Menschen friedlich für mehr  Freiheit Demonstrierten,  hatte ich erstmals den Gedanken, dass die Mauer nicht mehr  lange stehen würde.  Aber das  es so schnell gehen  würde,  war dann doch eine Sensation.   Am nächsten Morgen machte ich mich dann früh auf den Weg  um  mir die Situation vor Ort anzusehen. Bereits am Rathaus Steglitz und in der Schloßstraße war der Fall der Mauer  live  erlebbar: Menschenmassen strömten aus den Bahnhöfen und vor dem Rathaus Steglitz war eine lange Menschenschlange, die nach dem Begrüßungsgeld anstanden  Ich war den ganzen Tag in der Stadt unterwegs  und am Abend bei der Kundgebung mit Helmut Kohl an der Gedächtniskirche, wo sich  zehntausende von Menschen einfanden.  Die Stimmung war atemberaubend und man  konnte mit wildfremden Menschen  unglaublich  emotionale  Gespräche führen.  Die  U9  war so voll, dass ich mir wie in  einer Sardinienbüchse vorkam.  Man hatte den Eindruck, die Stadt müsste wegen Überfüllung geschlossen werden! Die zahllosen Veranstaltungen in Brandenburg und im Ostteil  Berlins in  den folgenden Monaten im Rahmen des  Wahlkampfes  zur ersten frei gewählten Volkskammer gehören zu meinen spannendsten politischen  Erlebnissen. Unvergessen bleibt mir eine Kundgebung mit Norbert Blüm vor 7000 Menschen in Frankfurt/Oder, wo es uns am Ende nur mit Mühe gelang, den damaligen Bundesarbeitsminister wieder zu seinem Fahrzeug zu dirigieren und Norbert Blüm  schließlich wiederholt auf seinen Mercedes kletterte und mit der Menge “Deutschland – einig Vaterland” rief, während seine Sicherheitsbeamten vergeblich versuchten ihn dort herunterzuziehen…

Christian Goiny, MdA

medienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion

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