Die DKMS wirbt Lebensretter

In der Schülerlounge der Education-Halle veranstaltete die DKMS heute um 13.00 Uhr eine Podiumsdiskussion, um über die Organsiation zu informieren und neue potenzielle Spender zu akquirieren.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei gGmbH (DKMS) verfolgt das Ziel, möglichst vielen Leukämiekranken durch eine Stammzellentransplantation zu helfen. 1991 gegründet, ist sie inzwischen mit über 2 Millionen registrierten Spendern die größte Kartei.

Stammzellentransplantationen werden notwendig, wenn ein an Leukämie erkrankter Patient auf die Chemotherapie nicht anschlägt. Allerdings ist es sehr schwierig einen geeigneten Spender zu finden, da hier noch deutlich mehr passen muss, als nur die Blutgruppe. Die Gewebemerkmale von Spender und Patient müssen nahezu völlig übereinstimmen. Ein Patient mit häufiger Kombination, findet vielleicht einen Spender unter 20.000 – bei sehr seltenen Kombinationen findet sich unter Umständen auch unter mehreren Millionenen niemand.

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Mit Hilfe der großen Dateien kann inzwischen allerdings an nahezu 80 Prozent der Patienten ein geeigneter Spender vermittelt werden.

Betroffene und Spenderin berichten
Auf der Bühne der Schülerlounge hatte die DKMS zwei junge Männer eingeladen, Arne Gebhardt und Florian Hellbach, die über ihren eigenen Leidensweg und die Heilung durch eine Knochenmarkspende berichteten. Gast war außerdem Viktoria Nellissen, eine junge Frau, die bereits als Spenderin zum Einsatz kam und dem jungen Publikum ihre Beweggründe und den Spendenablauf näher brachte. Moderiert wurde die Veranstaltung von der VIVA-Moderatorin Johanna Klum, die als prominente Unterstützung für die DKMS eintritt und auch selbst in der Datei registriert ist. Für die Unterfütterung mit Fachwissen sorgte eine Mitarbeiterin der DKMS.

“Man muss sich immer wieder aufrappeln um der Krankheit entgegen zu treten” (Arne)
Einen “normalen” Krankheitsverlauf gibt es nicht. Das zeigen auch die Beispiele von Arne und Florian. Arne musste zunächst ins künstliche Koma versetzt werden und erst nachdem er nach sechs Wochen blind wieder aufwachte, bekam er seine Diagnose gestellt. Nach einer aggressiven Chemotherapie schien es ihm dann wieder gut zu gehen. Doch gut 2,5 Jahre nach der Erstdiagnose wurde er rückfällig. Bei rückfälligen Leukämiepatienten kommt nur noch eine Stammzellentransplantation in Frage. Doch Arne hatte Glück, nach zwei Monaten war ein geeigneter Spender gefunden. Im Sommer dieses Jahres hat er sein Abitur gemacht und wenn man den jungen Mann auf der Bühne sitzen sieht, käme man nie auf die Idee, dass er noch im letzten Jahr mit einer so lebensbedrohlichen Krankheit zu kämpfen hatte.

“Man verliert die Hoffnung nicht, wenn man weiß, dass alles für einen getan wird” (Florian)
Florian hatte nicht das Glück eines so schnellen Heilungsprozesses. Drei Jahre hatte er noch mit den Folgen der Krankheit und der Transplantation zu kämpfen. Wie schnell man sich wieder erholt ist abhängig davon, wie genau die Gewebestruktur des Spenders zur Eigenen passt und wie der Organismus die körperfremden Zellen annimmt.

“Ich wusste, dass ich jetzt auch die Verantwortung für das Leben eines Anderen trage” (Victoria)
Eindrucksvoll war auch der Bericht der Studentin Voctoria Nellissen, die über ihre Mutter zur DKMS kam und dann tatsächlich eines Tages den Brief erhielt, dass sie geeigneter Spender für einen 35-jährigen Amerikaner ist. Für sie stand sofort fest, was sie machen möchte: “Ich habe keine Sekunde gezögert.” Natürlich habe sie Angst gehabt. Doch vor Allem auch ein völlig neues Verantwortungsgefühl gespürt – nicht nur für sich, sondern auch für diesen anderen, fremden Menschen, dessen Leben sie retten würde.

Ablauf der Typisierung und Spende
Das Ganze läuft eigentlich relativ unspektakulär ab. Um sich in der Datei zu registrieren, findet zunächst eine so genannte Typisierung statt. Dabei werden die eigenen Daten erfasst und in die Datenbank aufgenommen. Dafür ist nicht mal mehr, wie früher, eine Blutabnahme nötig – man kann sich bei der DKMS online ein Wattestäbchen-Set bestellen, entnimmt selbst eine Speichelprobe und shickt diese dann zurück.

Wenn man als Spender ausgewählt wurde gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine Variante ist, dass lediglich Stammzellen entnommen werden. In diesem Fall wird in einer vierstündigen Sitzung Blut aus dem Körper gepumpt, Stammzellen werden extrahiert und das Blut dann in den Körper zurückgeführt. Im Vorfeld muss für fünf Tage eine stammzellenaufbauendes Medikament genommen, das leicht schmerzhaft sein kann.

Wenn allerdings eine Knochenmarkentnahme nötig ist, ist der Aufwand etwas größer. In dem Fall ist ein zweitägiger Krankenhausaufenthalt notwendig. Dem Spender wird unter Vollnarkose der Beckenkamm punktiert und eine kleine Menge Knochenmark entnommen. Im Nachhinein sind die Schmerzen allerdings lediglich so stark, wie bei einem blauen Fleck.

Die Risiken bei beiden Prozeduren sind die gewöhnlichen Risiken, die bei einer Vollnarkose oder Blutentnahme auftreten.

Natürlich waren sich alle Teilnehmer auf dem Podium einig:
Es ist für jeden nur ein kleiner Aufwand, sich registrieren zu lassen – kann aber für einen kranken Menschen die letzte Hoffnung bedeuten. Victoria: “Ich glaube, Vielen ist nicht bewusst, wie leicht es für Jeden ist, Menschenleben zu retten!”

Insgesamt war es eine recht aggressive Werbung – aber natürlich für eine gute Sache!

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